• Carsten Ringler

Sparring heißt Sparring

Aktualisiert: 3. Sept 2019



Der Kampf heißt Kampf.

Zwei unterschiedliche Namen für zwei unterschiedliche Dinge, die leider im Training oft verwechselt werden.


Soweit ich das verstanden hab, ist das Sparring ein Bestandteil des Trainings, um etwas Gelerntes anwenden zu lernen oder sich auf einen Kampf mit einem bestimmten Gegner vorzubereiten.


Wenn ich mich auf einen professionellen Kampf vorbereite, sollte mein Sparringspartner, wie auch der Mensch, der mir die Pratzen hält versuchen meinen Gegner zu imitieren. So können wir gemeinsam Lösungen für eventuell im Kampf auftretende Probleme schon vorzeitig durchspielen und uns auch mental auf diese Situation im Kampf vorbereiten.

Nun ist auch das harte Sparring in jedem Fall ein wichtiger Teil des Trainings, der aber nicht nur für einen Einsteiger, sondern meiner Meinung nach auch für einen Profi erst im späteren Verlauf mit in den Trainingsplan mit einzubauen ist!

Warum?!


Ich habe zum Beispiel eine neue Meidbewegung für eine bestimmte Art von Angriff gelernt.

Es ist unmöglich, dass das Timing für diese Meidbewegung von Anfang an stimmen.

Es ist auch unmöglich, dass ich bei verschiedenen Trainingspartnern mit unterschiedlichen Körpermaßen und Angriffswinkeln von Anfang an einschätzen kann wann und ob denn nun dieser Angriff, auf den ich die Meidbewegung kennengelernt hab, auf mich zu kommt oder nicht.

Das bedeutet: Es kann gut sein, dass ich bei dem Versuch das neu erlernte anzuwenden öffters mal ´ne Faust fress...

Jetz kassier ich immer und immer wieder. Mein persönliches Fazit gerade als Einsteiger wird sein. "Das funktioniert doch gar nicht".

Natürlich nicht!

Wir müssen ja auch erstmal üben und das können wir nicht, wenn wir für jeden Fehler mit Kopfschmerzen nach Hause gehen.

Irgendwann hab ich kein Bock und falle in alte für mich funktionierende Muster zurück, was für mich bedeutet, dass ich auf der Stelle trete. Ich lerne nicht viel Neues dazu.

Das ist ziemlich schlecht.

Für den professionellen Bereich noch schlimmer, denn da kommen ganz andere Probleme auf uns zu, auf die wir uns erstmal einstellen müssen.

Wir treffen auf Gegner, die manchmal ganz komische Sachen machen, die für ihn aber funktionieren.

Uns werden Techniken und Finten entgegen geworfen, die wir noch nie gesehen haben.

Unser Gegenüber soll uns im Training genau damit konfrontieren.

Ich hab das alles aber noch nie vorher gesehen oder zumindest noch nicht oft.

Wie soll ich ohne Vorbereitung auf all das reagieren?!

Ach ja... Wir sind ja in der Vorbereitung und unser Ziel ist genau das zu lernen.

Also wenn mein Partner dann mein Hirn zu Matsch haut während ich versuche auf all das zu reagieren, bin ich ziemlich weit entfernt von einem guten Gefühl im Training, was mich in jedem Fall in meiner Motivation zurück wirft und dann auch der gewünschte Trainingserfolg in den gefundenen Lösungen ausbleibt oder eben erst später, vielleicht zu spät kommt.


Das Problem ist hier oft das Ego und die Angst.

Beide Trainingspartner müssen sich darauf verlassen können, dass der jeweils Andere respektvoll mit der Gesundheit des Partners umgeht.

Wenn ich Angst haben muss hart zu kassieren, wenn ich angreife, werde ich selbst ebenfalls schnell und hart angreifen, damit mein Gegenüber weniger Chance hat mich hart zu treffen.

Ich habe angst vor seinen Schlägen, deshalb schlage ich schnell und hart.

Das ist das Prinzip, das wir verfolgen, um als Anfänger nach spätestens einer Minute kein Sparring mehr zu haben, sondern ´ne schöne Hauerei, bei der alle beiteiligten mit Kopfschmerzen nach Hause gehen.

Um nochmal auf das Ego zurück zu kommen, gibt es auch Menschen, die Schwierigkeiten damit haben zu verlieren und noch nicht verstanden haben, dass im Training keiner gewinnt.

Es gibt nur Verlierer, wenn wir uns gegenseitig kaputt hauen.

Wenn ich von einem Schlag getroffen werde.

Egal ob der nun hart oder leicht geschlagen wurde, zählt in meinem Kopf eine Punktetafel mit.

1:0 für den anderen Typen.

Ich muss ihm zurück geben, sonst kann ich nachts nicht schlafen...

Ja leider falsch...

Wenn mich der gleiche Schlag immer und immer wieder trifft, dann liegt die Lösung nicht darin den Anderen K.o. zu schlagen, damit er mich nicht mehr trifft.

Sparring ist Teil des Trainings, in dem ich etwas lernen möchte.

Das bedeutet, dass in dem Fall meine Aufgabe sein sollte eine kluge Lösung für dieses Problem zu finden.

Und ja! Es gibt immer eine Lösung.

Egal, ob ein Gegenüber stärker, schneller, härter ist oder bessere Reflexe hat.

Gegen jedes Gift gibt ein Mittel!

Wir müssen nur herausfinden wonach wir suchen müssen.

Genau in diesem Moment macht ihr riesen Fortschritte.

Ihr beginnt mit dem Kopf zu kämpfen.

Der letztendliche Kampf ist weniger körperlich, als man von außen sieht.

Wenn das so wäre, würde der physisch fittere ja immer gewinnen.

Das ist aber nicht so.

Wenn alle gleich fit sind, wer gewinnt dann?

Der Klügere!

Diese Form der Intelligenz im Kampf kann man trainieren. Das funktioniert aber nicht, indem wir uns im Training zu Brei schlagen.


Wenn wir uns selbst wie einen Spielcharakter auf einer Konsole vorstellen, dann nehmen wir mal kurz an, dass unser Hirn einen Lebensbalken hat, der mit jedem Schlag, den es abbekommt ein bisschen kürzer wird.

Wenn der Balken aufgebraucht ist, seid ihr auf dem Level eines Profi Football Spielers, der in jedem Training und Spiel mit dem Kopf zuerst in andere Leute gerannt ist.

Der checkt irgendwann nix mehr...

Viele Kämpfer verbrauchen den Großteil des Balkens nicht im Kampf, sondern im Training bei den oben genannten (aus meiner Sicht) Fehlern.

Leute... Ihr könnt euch nicht in jedem Training den Schädel einschlagen.

Das funktioniert einfach nicht.

In eurem Hirn gibt es eine ganze Menge Straßen, die Informationen von A nach B transportieren.

Euer Hirn ist ein Kontrollfreak, der über diese Straßen alles Mögliche in euch überprüft und Befehle verteilt.

Sprechen, Körperteile bewegen und sowas beginnt nicht in den Muskeln, sondern in eurem Kopf.

Sehen, hören, fühlen und so weiter sind im Prinzip Informationen, die über die Nervenbahnen transportiert werden.

Wenn ihr Schläge gegen den Kopf bekommt, reißt ihr diese Straßen ein und wie das auch im richtigen Straßenverkehr ist.

Wenn eine direkte Straße aufgerissen wird, muss man erstmal eine alternative Route finden, die euch ans Ziel bringt.

Die Aufgaben abgestorbener, bzw zerstörter Nervenzellen, können bedingt von anderen Nervenzellen im Hirn übernommen werden.

Diese müssen aber erst einmal lernen, was sie zutun haben bzw welche Signale woher kommen und wohin sie gehen müssen.

Wie lange könnt ihr euch gegenseitig ungebremst vorn Helm kloppen bevor euer Kopf euch den Mittelfinger zeigt?!


Trotzdem ist hartes Sparring ein wichtiger Bestandteil des Trainings gerade für einen Kämpfer, der einen Termin gesetzt hat.

Hier würde ich aber eher von einer "gesunden Härte" sprechen.

Wie passt das denn jetz zusammen?

Wenn meine Aktionen und Reaktionen sitzen. Ich Bewegungsabläufe ausgiebig im Training, geübt und im lockeren Sparring angewand hab...

Dazu auch gelernt habe einen Schlag zu nehmen.

Also mit dem Schlag zu gehen, durch die Deckung abzufedern und entsprechende Muskulatur aufgebaut habe, die meinen Kopf und die Arme für die Deckung einigermaßen stabil in Position hält.

Dann können wir mit dem harten Sparring beginnen.

Aber auch hier ist es zumindest bei mir so, dass ich niemals hart zum Kopf schlage.

Ich will nicht dafür verantortlich sein, dass jemand ernsthafte Verletzungen im Kopf davon trägt.

Nur mal am Rande...

Stell dir vor du schlägst im Training jemandem hart gegen den Kopf und der bekommt ein Blutgerinsel oder sowas am Hirn.

Das kann echt ziemlich schlimme Folgen haben!!!

Möchtest du dafür verantwortlich sein, dass dein Trainingspartner mit einer ernsthaften Schädigung des Gehirns, die möglicherweise ireparabel ist, im Krankenhaus liegen muss oder Schlimmeres?

Ich möchte das nicht, deshalb schlage ich nicht hart zum Kopf.

Und trotzdem können Unfälle passieren.

Mein gegenüber macht einen Schritt nach vorn, wenn ich schlage. Boom.

Da machste nix...

Es knallt, aber AUSNAHMSWEISE!

Wir fordern unser Glück nicht heraus.


Die Härte im Sparring geht nicht auf den Kopf oder Gelenke.

Ich kann harte Lowkicks geben oder schwere Körpertreffer setzen, um meinem Gegenüber die Luft zu nehmen und seinen Willen zu brechen weiter zu machen.

All das passiert dann aber immernoch ohne den Gedanken gewinnen zu wollen... im Training.

Natürlich schlage ich auch zum Kopf. Wir müssen auch lernen eine stabile Decklung zu halten oder eben auszuweichen oder was auch immer unserem Stil entspricht mit Angriffen umzugehen, wenn diese schneller und ein wenig kräftiger werden.

Aber ich habe im Sparring immernoch das Ziel etwas zu lernen. Auch wenn es hart wird.

Wenn mein Partner müde ist und die Deckung hängt, nutze ich das nicht aus und baller ihm meine Fäuste um die Ohren. Wofür genau?!

Gibt es einen Menschen da draußen, der mir den Sinn einer solchen Aktion erklären kann? Der kann sich frei fühlen mir zu schreiben. Ich check das nämlich nicht, aber es gibt Leute, die sowas tun.

Wie gesagt... Im Training.

Entzieht sich meinem Verstand, aber ich weiß halt auch nicht alles...


Das harte Sparring, in dem ich versuche meinem Gegenüber die Luft und den Willen zu nehmen, ist ein Training für seinen Kampfgeist und auch eine Vorbereitung auf eine eventuell auftretende Situation im Kampf, in der es richtig hart wird und man durchziehen muss, obwohl man schon viel einstecken musste.

Diese Situation ist dann nicht mehr so neu, auch wenn das Training niemals mit dem Kampf vergleichbar ist.

Dennoch kennen wir das Gefühl und wissen was in uns steckt und was wir abrufen können, wenn wir müssen.


Unser Körper und Kopf sind zwar nicht aus Glas, dennoch kann mehr und einfacher kaputt gehen, als wir manchmal meinen.

Wie viele Kämpfe gesundheitlich noch in uns stecken, wird letztendlich auch in unserem Training entschieden.

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