• Carsten Ringler

Influencer oder Kämpfer?!

Aktualisiert: 16. Juli 2019

Kampfsport ist ein Geschäft.

Wenn wir als Kämpfer von dem Training und den Kämpfen leben wollen, brauchen wir einen Markt, auf dem wir uns "verkaufen" können. Da kommen wir nicht dran vorbei!

Veranstalter müssen Eintrittskarten verkaufen, um ihre Kosten zu decken.

Deshalb macht es für einen Veranstalter Sinn Kämpfer zu engagieren, die dem Publikum bekannt sind bzw., die mehr Publikum anlocken.

Das ist in keinster Weise verwerflich.

Stellt euch vor ihr möchtet den Sport fördern und eine Veranstaltung auf die Beine stellen.

Ihr nehmt richtig Geld in die Hand und bezahlt großartige Kämpfer, die sich Schlachten im Ring liefern, die die Welt noch nicht gesehen hat...

Wahrscheinlich auch nie wird, weil im Publikum einfach niemand sitzt, der davon berichten kann.

Der Veranstalter schreibt rote Zahlen. Die Kämpfer können nicht bezahlt werden und am Ende sind einfach alle enttäuscht.

Nur die paar Zuschauer, die da waren, hatten ihren Spaß.

Die decken allerdings nicht die entstandenen Kosten und zukünftige Veranstaltungen sind einfach ein zu großes finanzielles Risiko!

Letztendlich gibt es bei solch einer Veranstaltung keine Gewinner.

Es ist wichtig, dass wir diese Seite der Medaille auch betrachten!!!



Ein problem, das sich daraus ergibt, ist, dass viele starke Kämpfer, die einfach keine Ahnung haben wie man sich vermarktet, niemals auf großer Bühne kämpfen werden.

Twitter, Facebook, Instagram und auch YouTube sind heute als Marketing Werkzeug nicht mehr weg zu denken.

All diese Plattformen benötigen allerdings eine menge Zeitaufwand und auch ein gewisses Organisationstalent und Disziplin in diesem Bereich.

Disziplin im Training ist nicht gleich zu setzen mit Disziplin in anderen Dingen.

Ich selbst habe mehr als ein Mal den Schulunterricht "ausfallen" lassen oder bin mehrere Stunden zu spät gekommen, was mir im Training so niemals passiert wäre.

Wenn wir als Kämpfer schaffen unseren Tagesablauf so zu strukturieren, dass wir zwei Trainingseinheiten pro Tag und unsere Ernährung auf den Punkt bringen, dann bedeutet das noch lange nicht, dass wir auch in der Lage sind tausende Follower auf sämtlichen Plattformen für uns zu gewinnen.

Das muss man erst lernen und manche lernen es einfach nie.


Nun gibt es Kämpfer, die das hinbekommen und Unmengen an Fans um sich sammeln und auch zu Veranstaltungen mitbringen.

Natürlich setzt ein Veranstalter eher diese Kämpfer auf die Fightcard und bezahlt sie auch gerne für ihre Kämpfe, denn sie bringen wahrscheinlich das Mehrfache der Ausgaben, die sie verursachen, wieder als Gewinn ein.


Allerdings bedeutet das auch, dass diese Kämpfer nicht unbedingt die stärksten sein müssen! Können...! Aber nicht müssen!

Sie schaffen halt in irgend einer Form Fans von sich zu überzeugen und dann auch mit zu ihren Kämpfen zu bringen.


Der Veranstalter hat kaum eine andere Wahl, als diese Kämpfer zu engagieren und der "normale" Zuschauer setzt den Bekanntheitsgrad des Kämpfers mit seiner Leistung gleich, die er im Ring oder Käfig abliefert.

Dem Zuschauer fehlt natürlich auch der Horizont zu beurteilen welcher Kämpfer nun gut ist und welcher weniger gut.

Welcher Gegner für diesen Kämpfer tatsächlich eine Herausforderung darstellt und welcher Gegner ihm nur da hin gestellt wurde, damit er im Geschäft bleibt und weiter Zuschauer anlockt.


Kämpfer, die man auf diesem Markt verkaufen kann, sind meistens ein Garant für finanziellen Gewinn auf einer Veranstaltung.

Wenn man den Kämpfer an die Spitze bringt, will man Diesen dort nicht fallen sehen, also bezahlt man keinen anderen Kämpfer, der für das Zugpferd der Veranstaltung eine große Gefahr darstellt.

Das sorgt zusätzlich dafür, dass stärkere Kämpfer keine Chance auf die große Bühne bekommen.

Das bedeutet, dass am Ende der erfolgreichere Influencer ein Champion wird und der stärkere Kämpfer im Nichts verschwindet.


Woran erkennt man nun einen starken Kämpfer?!

Jedenfalls nicht an seinem Kampfrekord!

Ein Mann kann ungeschlagen sein, aber nur gegen eindeutig schwächere oder ausgewählte Gegner gekämpft haben.

Na klar gewinnt er dann und seine Bilanz sieht super aus.

Es gibt sogar sogenannte "Journeymen", die das Verlieren perfektioniert haben. Sie bieten sich an zu verlieren, um einem Kämpfer einen weiteren Sieg in die Bilanz schreiben zu können. Der Kämpfer selbst weiß nichtmal unbedingt etwas davon.


Stark ist, wer gegen starke Männer kämpft. Ein starker Kämpfer stellt sich schwierigen Herausforderungen ungeachtet der Kampfbilanz.

Wenn ihm ein Kampf angeboten wird, schaut er nicht erst nach, ob er seinen Gegner besiegen kann oder nicht und entscheidet dementsprechend, ob er den Kampf annimmt.

Sieg oder Niederlage sind hier nicht von Bedeutung. Der Kampf selbst zählt!


Ich selbst kann natürlich eher für die Muay Thai Szene sprechen. Beim Training in Thailand bin ich auf Jungs gestoßen, die unglaublich stark waren, aber niemals in Europa als Kämpfer Fuß fassen könnten.

Erstmal ist es oft tatsächlich schwierig Gegner in entsprechenden Gewichtsklassen zu finden und dann müsste man auch unglaublichen finanziellen Aufwand betreiben, die hier kämpfen zu lassen, was sich wahrscheinlich einfach nicht lohnt.

Allein die Namen kann hier kein potenzieller Zuschauer aussprechen. Dann hat man einfach noch nie von dem gehört und warum soll man sich jemanden anschauen, von dem man gar nicht weiß wer das ist und was der kann.

Der Veranstalter muss aber Reise, Unterkunft und eine Gage bezahlen mit dem Risiko am Ende rote Zahlen zu schreiben.

Für diese Kämpfer wartet am Ende ihrer Karriere oft eine weitere Karriere als Taxi-Fahrer oder Pad-Thai Koch an der Straße.


Nun was bleibt für eine Lösung?!

MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG

Wir als Kämpfer sind gefragt!

Ein starker Kämpfer braucht eine Promotion. Er muss bekannt werden, damit man ihn sehen will.

Diese Pille muss er einfach schlucken, egal wie sehr er sich dagegen wehrt. Leere Veranstaltungshallen sind am Ende eben schlecht für alle und es liegt auch in der Verantwortung der kämpfer für sich zu werben, wenn sie den Wunsch haben kommerziell erfolgreich zu werden.


Letztendlich sitzen Kämpfer, Veranstalter und Zuschauer doch irgendwie im selben Boot.

Zu dem Beruf des Kämpfers gehört nunmal auch das Marketing.


Wenn ihr das anders seht und ihr eure Meinung mit mir teilen wollt, schreibt gerne in die Kommentare.

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Ins Gespräch zu kommen, ist das Wichtigste, um den Kampfsport in Deutschland nach vorn zu bringen!


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