• Carsten Ringler

Frauen im Kampfsport


Spannendes Thema, was man leider ziemlich vorsichtig angehen muss, weil man, egal was man sagt, irgendwem damit immer ans Bein "p***t".


Also erstmal hatte ich selbst tatsächlich gar nicht die Idee darüber zu schreiben.

Mir wurde von einer Frau aus einem meiner Kurse vorgeschlagen doch mal aufzuschreiben wie ich darüber denke und nach kurzem Hin und Her hab ich mich doch dazu entschlossen etwas dazu zu schreiben.


Was ich persönlich denke, ist erstmal: Leute... Wir haben 2019... Warum ist das überhaupt ein Thema?!

Nehmt doch jeden, wie er oder sie ist! Wo ist das Problem?!

Aber die Realität entspricht nunmal nicht immer so unserer Zeit, wie sie sein sollte und schon gar nicht unseren Träumen und Wünschen.


Ich kann hier jetzt auch nur meine Perspektive und Meinung aufgrund meiner persönlichen Erfahrung Kund tun, da ich nunmal keine Frau bin und da wohl kaum realitätsnah aus derer Perspektive erfahrungsgemäß sprechen, sondern eher mutmaßen kann!


Also...

In meinem Gym und all meinen Kursen, die ich so gebe...

Die wären:


Capoeira Kinder

Capoeira Jugend und Erwachsene

Muay Thai Kinder

Muay Thai Jugend und Erwachsene


...habe ich einen Anteil an weiblichen Mitgliedern von vielleicht etwas weniger als die Hälfte aller Mitglieder würde ich sagen.

Es gibt Tage, an denen ich allein mit den ganzen Mäddels auf der Matte steh und wir die Pratzen zerfetzen.


Nun... wie gehe ich mit dem Thema "Geschlecht" im Training um?

Die Antwort ist ganz einfach.

Gar nicht!


In meiner Rolle als Trainer ist nur entscheidend, ob der Mensch, der vor mir steht, Bock hat oder nicht.

Davon ist alles abhängig. Wenn jemand lernen will und fleißig beim Training mitmacht, zeig ich alles, was gewünscht ist und mehr.

Wenn jemand faul ist, unregelmäßig kommt und im Training chillt, um Freunde zu treffen, dann mache ich halt meinen Job und darüber hinaus nichts weiter.

Das klingt hart, aber so ist das nunmal...

All das ist jedenfalls nicht davon abhängig, ob ein Mann, eine Frau oder alles dazwischen oder darüber hinaus vor mir steht.

Das ist mir echt einfach egal.


Als Kämpfer oder Trainingspartner ist das wieder etwas anders, aber auch nahezu unabhängig vom Geschlecht.

Wenn ich mit jemandem zum Beispiel eine Sparringseinheit absolviere, gibt es verschiedene Faktoren, die Einfluss darauf haben wie ich mit meinem Partner oder Partnerin umgehe.

Körpergröße und Gewicht stehen dabei an erster Stelle. Danach folgt die Erfahrung und das Niveau meines Gegenübers und dann wie man mit mir im Sparring umgeht.

Es gibt hier genau einen Faktor, der vom Geschlecht beeinflusst wird.

Ich versuche mehr darauf zu achten nicht gegen die Brust zu schlagen oder zu treten, weil es ganz einfach schmerzhaft ist.

Ich hab im Sparring auch kein Bock auf Tiefschläge. Wenn das mal passiert, ist das ein Versehen und das soll auch so bleiben.

Ansonsten gehe ich mit der gleichen Herangehensweise in jede Einheit.

Wie in meinem Artikel hier übers Sparring schon beschrieben, geh ich eh eher locker an die ganze Sache ran.

Ich versuche bei jedem Partner, der mir vor die Fäuste rennt etwas mit zu nehmen und zu lernen und das ist nicht möglich, wenn ich zum Beispiel einen Leichteren mit meiner Kraft bezwinge.

Aber auch das ist unabhängig vom Geschlecht.


Das ist meine Art mit dem Geschlecht umzugehen.

Ganz platt ausgedrückt, ist mir einfach egal ob Mann oder Frau vor mir steht.

Training ist Training!

Man kann daraus ein Thema machen... Man kann es aber auch lassen, wenn es einfach TATSÄCHLICH nicht nötig ist.


Es ist ganz ganz wichtig, dass wir das Gym als unabhängig geschützten Raum für alle sehen.

Gegenseitiger Respekt sollte immer an erster Stelle stehen und unbedingt von allen eingehalten werden!

Wenn ich mit einem Partner oder Partnerin trainiere, gebe ich einen Teil von mir in ihre oder seine Obhut. Ich muss darauf vertrauen können, dass dieser Mensch respektvoll und verantwortungsbewusst damit umgeht. Dazu gehört natürlich auch die Grenzen des gegenübers als persönliche Mauern zu betrachten, für die es gilt, dass sie unüberwindbar sein sollten.

Innerhalb des Gyms sollten wir alle gleich sein und wenn jemand sich nicht an diesen Grundsatz hält, sollte er oder sie vom Trainer und auch von der Gruppe dahin gehend belehrt werden!

Ich finde das Denken irgendwie einfach komplett veraltet, dass eine Frau aufgrund ihres Geschlechtes (Alter, was ist los mit manchen Menschen? Ich komm mir schon vor wie ein Höhlenmensch, wenn ich das hier in die Tasten baller...) einen bestimmten Sport oder auch an Wettkämpfen nicht oder nur bedingt teilnehmen sollte!!!


Dazu kommt bei mir noch, dass ich mich von verschiedenen Frauen im Kampfsport inspirieren lasse, die einfach echt Killer sind.


Da hätten wir an erster Stelle für mich ganz klar Sylvie von Duuglas, die in Thailand lebt und einfach über 250 Kämpfe hinter sich hat und je nach dem wann dieser artikel hier gelesen wird, steil auf 300 oder 400 zu marschiert.

Sie kämpft manchmal im Abstand von nur wenigen Tagen und tritt dabei auch meist gegen Kämpferinnen an, die mehrere Kilogramm schwerer sind als sie selbst.

Dann haben wir noch Valentina Shevchenko, die nicht nur unzählige Erfolge im Muay Thai und Kickboxen zu verzeichnen hat, sondern auch mit ihren starken Auftritten in der UFC den Titel im Fliegengewicht gewinnen und bis heute verteidigen konnte.

Stamp Fairtex, die bei ONE Championship aufräumt. sie ist Champion im Muay Thai, Kickboxen und ist auf dem Weg zum titel im MMA, wo sie bei ONE championship bereits zwei Kämpfe hintereinander gewonnen hat.

Loma Lookboonmee, die in ihrem UFC debut gezeigt hat wie Muay Thai im MMA aussehen kann.


Die Liste kann man noch echt ziemlich lang weiter führen.

In jedem Fall steht für mich außer Frage, dass jeder komplett unabhängig vom Geschlecht einfach seinen Weg gehen können sollte.

Die Bedingung dafür ist natürlich erstmal ein cooler Trainer oder Trainerin und ein cooles Team, das easy mit allem umgeht und nichts zum Thema macht, wo kein Thema sein müsste.

Natürlich gab es in meinen Reihen auch schon Konflikte, die ich lösen musste und die wird es auch immer geben.

Kommunikation ist in jedem Fall der Schlüssel zum richtigen Weg.

Ich habe schon Männer und auch Frauen bei mir raus geschmissen, weil deren Verhalten einfach nicht mehr zu ertragen war.


Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ein Großteil der Menschheit einfach mal klar kommt und da nicht so´n Schuh draus macht.

Für die sportliche Leistung im Kampfsport ist es absolut unerheblich für den Werdegang einer Athletin oder eines Athleten, ob sie oder er nun Mann oder Frau ist.

Was zählt, ist der Umgang mit dem Thema und da rate ich ganz einfach zu gegenseitigem Respekt und Entspannung.


Es ist jedenfalls ein riesen Thema und um noch genauer zu werden, vielleicht auf explizite Probleme einzugehen, könnt ihr mir gern schreiben und Fragen oder was auch imemr.

Ich bin immer offen für Ideen und Diskussionen!


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